Titelbild für Blogartikel zum Thema "Bedeutung von Achtsamkeit"

Von Achtsamkeit wird oft inflationär gesprochen. Es scheint, als diene sie einem bestimmten Lifestyle. Doch das greift zu kurz. Um wirklich achtsam sein zu können, solltest du die wahre Bedeutung dahinter kennen.

„Meditiere jeden Tag 20 Minuten. Es sei denn, du hast keine Zeit. Dann meditiere eine Stunde.“

Zen-Weisheit

Ich möchte mit diesem Artikel versuchen, dir den Begriff und die Bedeutung von Achtsamkeit näherzubringen. Damit bin ich natürlich nicht der Erste, denn über Achtsamkeit, die Haltung dahinter und die vielen positiven Wirkungen, die damit erzielt werden können, wurde bereits viel geschrieben. Trotzdem mache ich die Erfahrung, dass der Begriff heutzutage fast inflationär verwendet wird. Er muss für alles Mögliche herhalten und taucht in allen möglichen Kontexten auf.

Am intensivsten wurde mir das bewusst, als ich noch ein Instagram-Konto besaß. Ich war erstaunt, in welchen Kontexten Achtsamkeit dort auftauchte: Man konnte den Eindruck gewinnen, bei Achtsamkeit handele es sich um ein Wellness- oder Fitness-Konzept, um ein Mittel zur Leistungssteigerung, ein Rezept für mehr Effizienz und Produktivität bei der Arbeit oder etwas, mit dem man sich so gut es geht selbst optimieren kann. Dies wird der wahren Bedeutung von Achtsamkeit allerdings nicht gerecht.

Achtsamkeit ist kein Konsumprodukt

Um die Bedeutung von Achtsamkeit zu verstehen, solltest du wissen, dass sie ihren spirituell-religiösen Ursprung im Buddhismus hat und eine praktizierte Form der Meditation ist. Achtsamkeit ist eine Haltung, die über lange Zeit trainiert werden muss, um (messbare) Veränderungen im eigenen Denken und Handeln zu bewirken. Erst eine regelmäßige Meditationspraxis schafft die – durch mittlerweile viele Studien belegten – positiven Veränderungen im Gehirn und positive Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit.

So konnte etwa schon 2007 der Psychologe Richard Davidson von der University of Wisconsin-Madison belegen, dass ein dreimonatiges Meditationstraining die Aufmerksamkeit schärft. Forscher vom Massachusetts General Hospital in Boston konnten zeigten, dass regelmäßige Meditationspraxis sogar die Gestalt des Gehirns beeinflusst: Sie lässt den Mandelkern schrumpfen, eine Struktur im Gehirn, die unter anderem an der Steuerung von Angst beteiligt ist. Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass die graue Substanz in den Bereichen des Gehirns zugenommen hatte, die etwa mit Mitgefühl assoziiert sind.

Wer Achtsamkeit einseitig als ein Mittel zur möglichst schnellen Leistungssteigerung, für mehr Effizienz bei der Arbeit oder zur Selbstoptimierung betrachtet, hat ihren Wesenskern nicht verstanden. Sie bloß auf ein Mittel zum Zweck zu reduzieren, verwässert ihre eigentliche Bedeutung: Sich allen Gedanken, Gefühlen und Empfindungen offen zuzuwenden.

Achtsamkeit ist nicht gleich Aufmerksamkeit

Wer achtsam ist, ist gleichzeitig auch aufmerksam(er). Das ist nicht unbedingt falsch, denn sowohl die Haltung der Achtsamkeit als auch Aufmerksamkeit überschneiden sich in Bezug auf den Fokus und das Bewusstsein. Beide Begriffe jedoch in ihrer Bedeutung gleichzusetzen, würde weder der Achtsamkeit noch der Aufmerksamkeit gerecht werden.

Was ist also Aufmerksamkeit? Aufmerksamkeit bezieht sich auf etwas im Außen. Ein Objekt oder eine Person, dem beziehungsweise der du dich aufmerksam widmest. So kannst du zum Beispiel einem Kollegen oder deiner Partnerin deine volle Aufmerksamkeit schenken, wenn du ihm oder ihr beim Sprechen zuhörst. Oder du beobachtest aufmerksam einen Vogel, wie er von Ast zu Ast fliegt. Gleiches passiert, wenn du aufmerksam eine Aufgabe erledigst und dich dabei nicht ablenken lässt.

Wenn du aufmerksam bist, blendest du all das aus, was deine Aufmerksamkeit stören könnte. Du fokussierst dich voll und ganz auf diese eine Sache, Person oder Aufgabe. Ein weiteres Merkmal von Aufmerksamkeit ist Bewusstheit, also ein Zustand geistiger Klarheit. Du bist dir bewusst, im Klaren darüber, was du gerade tust.

Wenn du achtsam bist, fokussierst du dich auf das, was in dir selbst passiert. Du richtest den Fokus und die Wahrnehmung auf deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen, blendest dabei aber nicht die Außenwelt aus. Achtsamkeit bedeutet: Sich öffnen für all das, was gerade da ist. Du nimmst bewusst den Moment wahr und öffnest dich für das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrungen.

Also: Fokus und Bewusstheit sind die beiden wesentlichen und gemeinsamen Faktoren von Achtsamkeit UND Aufmerksamkeit. Aber: Während Aufmerksamkeit sich auf Objekte und Personen im Außen bezieht, bezieht sich Achtsamkeit auf das, was in dir selbst vorgeht. Du bist achtsam, wenn du deine Aufmerksamkeit absichtlich (bewusst) auf den gegenwärtigen Moment richtest – dabei aber offen bist für all das, was um dich herum geschieht. Schenkst du dir selbst Aufmerksamkeit, bist du gleichzeitig achtsam mit dir selbst.

Eselsbrücke für die Bedeutung von Achtsamkeit: Die drei „B‘s“

Bei meiner Arbeit versuche ich immer, die Bedeutung von  Achtsamkeit so einfach wie möglich zu erklären. Dabei verwende ich den Buchstaben „B“, weil sich die zentralen Aspekte von Achtsamkeit jeweils mit Wörtern beschreiben lassen, die mit „B“ beginnen:

Achtsam sein heißt „b“ewusst sein

Bewusstheit bedeutet ein Zustand geistiger Klarheit und Wachheit. „Bewusst sein“ heißt, hier in diesem Augenblick mit allen Sinnen genau bei dem zu sein, was gerade geschieht oder was man gerade tut.

Ein Beispiel: Wenn du gerade etwas isst, dann widmest du deine Aufmerksamkeit voll und ganz dem Essen. Also, dem, was vor dir auf dem Teller liegt, und dem Vorgang der Nahrungsaufnahme. Du liest weder Zeitung nebenher noch schaust du aufs Smartphone. Bewusst sein beziehungsweise Bewusstheit schließt ein Multitasking aus, weil du nicht bei zwei oder mehreren Dingen gleichzeitig  mit voller Aufmerksamkeit sein kannst. Bewusst bei etwas sein meint auch, sich bei dem, was du gerade tust, nicht in Gedanken über die Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren.

Achtsam sein heißt „b“eobachten

Etwas NUR beobachten bedeutet, sich auf das bewusst zu konzentrieren, was im gegenwärtigen Moment wirklich stattfindet. Ein Beispiel: Du beobachtest, wie ein Fußgänger eine rote Ampel überquert. Wie von einer Metaebene herab beobachtest du lediglich die Situation. Bestimmt ist das eine große Herausforderung, oder?

Ich habe dieses Beispiel deshalb gewählt, weil wir mehr oder weniger alle dazu neigen, eine Person, die eine rote Ampel überquert, nicht nur zu beurteilen, sondern möglicherweise auch zu verurteilen. In der Regel dauert es nur wenige Millisekunden und in unserem Gehirn beginnt ein bestimmtes Muster abzulaufen. Wir reagieren dann nur noch auf das, was wir über Dinge denken, anstatt auf das, was im aktuellen Moment gerade geschieht.

Aber wir haben die Wahl. Wir könnten auch einfach nur beobachten, ohne jedwede Art von Partei zu ergreifen. Die Floskel „Aha, ist ja interessant…“ kann dafür hilfreich sein. Versuche also einmal, deine Aufmerksamkeit auf das zu richten, was du gerade siehst und nimm wahr, wie und was dein Kopf dazu kommentiert und welche Geschichten er dir darüber erzählt.

Achtsam sein heißt nicht „b“ewerten oder „b“eurteilen

Beobachten geht nicht ohne die Aufgabe von Bewertungen und Beurteilungen. Nur wenn du bemerkst, dass du gerade etwas bewertest, analysierst oder interpretierst, kommst du in die beobachtende Haltung. Es gibt zig Alltagssituationen, in denen du üben kannst, weniger oder gar nicht zu bewerten.

Beispiel: Du stehst mit deinem Auto an einer roten Ampel, die einfach nicht grün werden will. Je länger du da stehst, desto ungeduldiger wirst du. Ein Gefühl der Unruhe macht sich breit, irgendwann vielleicht auch Zorn. Unbewusst fängst du an, die Situation zu bewerten: „So eine Sch…! Jetzt komme ich sicher zu spät ins Büro.“

Damit hast du der Situation deinen Stempel aufgedrückt, der da lautet: „Schlecht“. Ob etwas „gut“ oder „schlecht“ ist, hängt aber nicht von der äußeren Situation ab, sondern immer von dem, was du darüber denkst beziehungsweise ob du der Situation diesen Wert gibst. Deine Gedanken erschaffen deine Wirklichkeit!

Denke bei der nächsten roten Ampel vielleicht einmal darüber nach und versuche, einfach nur in der Situation zu sein – ohne sie zu bewerten oder zu beurteilen. Du wirst sehen: Es wird ruck zuck Grün werden.

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2 Kommentare

  1. Dein Artikel betont die Tiefe und Ernsthaftigkeit von Achtsamkeit, im Gegensatz zu ihrer oft oberflächlichen Darstellung als reines Wellness-Konzept. Du stellst klar, dass Achtsamkeit eine Praxis ist, die bewusstes, nicht wertendes Beobachten fördert und echte, nachweisbare Veränderungen in der Psyche bewirken kann. Die „drei B’s“ bieten eine klare und einprägsame Methode, um die Prinzipien der Achtsamkeit zu vermitteln. Es ist ein gründlicher und einfühlsamer Ansatz, um den Lesern die wahre Natur der Achtsamkeit nahezubringen.

    • Hallo Roger,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dich der Artikel anspricht und es mir offensichtlich gelungen ist, die Bedeutung von Achtsamkeit mit meinen eigenen Worten darzulegen. Alles Gute! David

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